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Weihnachtsbäume und Tannenbaumschlagen in Hamburg

Weihnachtsbäume

Omas Rezepte sind die Zukunft

 

Ochtmannsbruch (dey)

"Eigentlich war es nur ein Zufall", erinnert sich Ulrike Cohrs. Auf dem Buchholzer Stadtfest im vergangenen Jahr bot sie einfach ein paar Gläser mit eingelegtem Gemüse an. Hergestellt und geschätzt wird das in ihrer Familie zwar seit Generationen, doch dass die klobigen Weck-Gläser mit dem leckeren Inhalt so einen reißenden Absatz finden würden, hatte die Landwirtin aus Ochtmannsbruch nicht erwartet.

Nun war die Nachfrage aber plötzlich da, und Ulrike Cohrs entschloss sich fortan, verstärkt auf die traditionelle Spezialität zu setzen, die sie noch nach den Rezepten ihrer Oma Hulda Prigge herstellt. Anbau, Ernte und Verarbeitung machen allerdings "sehr sehr viel Arbeit", sagt die 26-Jährige - logisch, dass ein Glas Senf-, Gewürz- oder Curry-Gurken bei ihr daher etwas mehr kostet als im Supermarkt. Und das, obwohl Mutter Helga (63) und Vater Günther (73) noch tüchtig mit anpacken, ohne ihre Arbeitskraft in Rechnung zu stellen. Profitabel lässt sich das Gemüse also noch nicht einlegen, "aber langfristig ist das eine Herausforderung für mich", erzählt Ulrike Cohrs.

Ihr "Wilkenshoff" hat daher noch einige andere Standbeine. Außer Getreide, Kartoffeln, Weihnachtsbäumen, Eier und Saft produziert Cohrs vor allem eine echte Fleischspezialität: Charolay-Rind. Die französische Rasse ist nicht nur für ihr sehr zartes Fleisch bekannt, die rund 25 Tiere in Ochtmannsbruch sind auch praktisch BSE-resistent. Ulrike Cohrs hält nur Muttertiere, die ihre Kälber noch selbst ernähren und daher nicht gemolken werden. Milchaustauscher sind tabu, und Kontakt mit fremden Tieren gibt es auch nicht. "Nur alle drei Jahre kaufen wir einen Deckbullen hinzu", ergänzt Günther Cohrs.

Gefüttert werden die Rinder mit selbst angebautem Mais, Heu, Silage und dem, was sonst so auf der Weide wächst. Dort halten sie sich von Mai bis November auf - hinausgetrieben mit Pferden, die in offenen Ställen auf dem Hof stehen.

Das klingt alles sehr nach Bio-Bauernhof, und im Prinzip ist es das auch, "aber wir dürfen uns noch nicht so nennen", erklärt Ulrike Cohrs. Angemeldet ist der Hof zwar, doch die offizielle Umstellung dauert noch zwei Jahre. "Irgendwann muss man sich Gedanken machen, wie es weitergehen soll", meint die junge Hofchefin. Und das Motto "Wachse oder weiche" halte sie für ungeeignet. Da setzt sie lieber auf die urig-romantische Atmosphäre des "Wilkenshoff" mit Pferde-Pension, freilaufenden Rindern und Hühnern sowie natürlich auf das leckere Gemüse in den großen Gläsern. "Mein Ziel für die Zukunft", blickt Ulrike Cohrs voraus, "ist ein fester Kundenstamm, der weiß, wie wir wirtschaften." Mit Omas Rezepten wird das bestimmt gelingen.

Der "Wilkenshoff" der Familie Cohrs am Kampweg in Ochtmannsbruch ist über die A 1, Abfahrt Hollenstedt, in zwei Minuten zu erreichen. Das eingelegte Gemüse - unter anderem Rote Bete, diverse Gurken-Sorten, Kürbisse und Zwetschgen in Rotwein - werden ebenso wie die meisten anderen Produkte in einem Selbstbedienungshäuschen angeboten. Weitere Informationen gibt es unter den beiden Telefonnummern 04165/212923 und 8526.

 

Erschienen:

Harburger Nachrichten, 05. Mai 2001