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Weihnachtsbäume und Tannenbaumschlagen in Hamburg

Weihnachtsbäume



"Arche Noah" und Gen-Bank"

 

Eckart Brandt & Co. gründen Verein – „Boomgarden e.V.“ will alte Nutzpflanzen und -tiere erhalten

 

Jork (bv). Eckart Brandt (54) denkt an die Zukunft. Deshalb hat der streitbare Obstbauer und Pomologe aus Großenwörden am Dienstag im Schützenhof Jork mit 20 weiteren Mitstreitern den Verein „Boomgarden“ ins Leben gerufen. Dieser soll das gleichnamige Projekt – unter anderem in der Oste-Marsch ist in den vergangenen 20 Jahren eine „Arche Noah und Gen-Bank“ für rund 800 alte Apfel-, 100 Birnen-, 60 Pflaumen- und 40 Kirsch-Sorten entstanden –  der Nachwelt erhalten. Diese Schätze sollen jetzt auf den „Wilkenshoff“ bei Hollenstedt verlagert werden.

Eckart Brandt hat das Projekt 1985 quasi als „Ein-Mann-Unternehmung“ ins Leben gerufen, um alte regionaltypische Obstsorten zu retten. Diese Schätze müssen erhalten werde. Doch das Kernstück dieser Sammlung steht auf Pachtland, die Verträge laufen 2011 aus. Deshalb sollen die Sorten auf den Wilkenshoff in Hollenstedt-Ochtmannsbruch umgesiedelt werden. Auf dem Bio-Hof seiner Mitstreiterin und Vize-Vorsitzenden Ulrike Cohrs, sie setzt sich für die Erhaltung alter regionaltypischer Kartoffel- und Gemüse-Sorten ein, soll das Boomgarden-Projekt einen festen Platz bekommen. Bereits vor zwei Jahren ist dort eine Hochstamm-Allee und eine Baumschule angelegt worden, jetzt sind Birnen und Pflaumen an der Reihe, und im Herbst soll eine Allee mit „extrem vom Untergang bedrohten alten Kirsch-Sorten“ folgen, so Brandt.

Das Öko-Kompetenzzentrum hat Fördermittel zugesagt, eine Voraussetzung ist der Verein. Der soll sich zunächst schwerpunktmäßig um die Umsiedlung der alten Obstsorten aus der Oste- und Elb-Marsch auf den Wilkenshof kümmern, Gelder auftreiben und sich um die Pflanzung, Erhaltung und Pflege kümmern. Und auch Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit betreiben. Denn den Boomgarden-Mitstreitern ist die „Sortenarmut im Erwerbsobstbau“ ein Dorn im Auge. „Alte regionale Sorten sind nicht nur Teil unseres historischen Erbes, ihr Erhalt dient auch der Sicherung genetischer Vielfalt. Wer sich für das Weltkulturerbe Altes Land einsetzt, darf seine alten Obstsorten nicht weiter stiefmütterlich behandeln“, kritisiert der Vereinsvorsitzende Brandt unter anderem das Obstbauversuchs- und Beratungszentrum. Schließlich könne in der zentralen Gen-Bank in Dresden-Pillnitz nur ein Bruchteil der Niederelbe-Sorten erhalten werden.

Geplant ist in Ochtmannsbruch als „begehbares norddeutsches Obstsorten-Museum“ ein Muttergarten. Und der soll nach dem ersten Leiter der Obstbauversuchsanstalt, Professor Ernst-Ludwig Loewel, benannt werden. Hier sollen 45 in seinem Standardwerk von 1942 beschriebene Apfelsorten neu gepflanzt werden.

Information

Wer den Verein „Boomgarden“ (als Mitglied) unterstützen will, kann sich beim Vorsitzenden Eckart Brandt unter Telefon 04775/538 melden; der Mindestmitgliedsbeitrag beträgt 30 Euro.

www.boomgarden.de

 

 

Die Ziele des „Boomgarden“-Projekts

Jork (bv). Das Boomgarden-Projekt ist ein Herzensanliegen von Eckart Brandt aus Großenwörden. Seit fast 20 Jahren sammelt der Bio-Obstbauer aus der Oste-Marsch alle noch fassbaren regionaltypischen Obstsorten an der Niederelbe. Mittlerweile ist der Boomgarden eine Arche Noah für fast 1000 Obstsorten. Modern: eine Genbank, de facto eine „Versicherung für morgen“. Ziel ist es, die historische Vielfalt eines der größten Obstanbaugebiete zu erfassen und zu erhalten. Weiteres Anliegen: hochstämmige Bäume bewahren. „Alte Obstsorten sind Teil unseres kulturellen Erbes, haben sich Klima und Boden hervorragend angepasst; an ihnen hängen lange Traditionen bäuerlicher Ess- und Kochgewohnheiten und Vorratswirtschaftens“. Unter anderem durch ihren Geschmack könnten diese Sorten die hiesige Gastronomie bereichern. „Einige bringen auch ohne die (auch im Bio-Obstbau) üblichen Spritzereien Tafelobst in guter Qualität“. Konzept: Schutz durch Nutzen.

 

Erschienen:

Altländer Tageblatt, 09.04.2004