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Weihnachtsbäume und Tannenbaumschlagen in Hamburg

Weihnachtsbäume

Arche Noah für alte Obstsorten

 

Plantage wird zum Erlebnis-Museum

 

Ochtmannsbruch, Von Carsten Weede

Ein "begehbares norddeutsches Obstsorten-Museum" entsteht gegenwärtig auf dem "Wilkenshoff" in Ochtmannsbruch. Mitglieder des Vereins Boomgarden e.V. pflanzen Alleen mit historischen, hochstämmigen Obstbaumsorten an Feld- und Weidenrändern. Die ersten Apfel- und Birnbäume in der Muster-Plantage auf dem Öko-Hof von Ulrike Cohrs stehen bereits seit dem Frühling 2002. Viele dieser Bäume tragen jetzt prachtvolle Früchte.

Der "Wilkenshoff" ist als Vollhof bereits seit dem Dreißigjährigen Krieg in Familienbesitz. Betriebsleiterin ist die 30jährige Landwirtschaftsmeisterin Ulrike Cohrs, die den 100-Hektar-Betrieb ökologisch bewirtschaftet. Die Bio-Bäuerin, die sich auch für die Erhaltung regionaltypischer Kartoffel- und Gemüsesorten einsetzt, ist Zweite Vorsitzende des im April gegründeten Vereins Boomgarden e.V. Vorsitzender ist der streitbare Obstbauer, Fachautor und Pomologe Eckart Brandt aus Großenwörden im Landkreis Stade. Er hatte das Boomgarden-Projekt 1985 ins Leben gerufen, um vom Aussterben bedrohte Obstsorten zu retten.

Mittlerweile ist der Boomgarden eine Arche Noah für mehr als 1000 alte Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschsorten. Das Problem: Das Kernstück der Sammlung steht auf Pachtland. Die Verträge laufen in ein paar Jahren aus. "Diese Schätze müssen unbedingt erhalten werden. Deshalb sollen die Sorten auf unseren Hof umgesiedelt werden", erklärt Ulrike Cohrs.

Der Boomgarden-Verein soll sich schwerpunktmäßig um die Pflanzung, Erhaltung und Pflege der Bäume kümmern sowie Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit betreiben. Brandt, dessen neues Buch "Von Äpfeln und Menschen" gerade erschienen ist (siehe Kasten) und seinen Mitstreitern ist die "Sortenarmut im Erwerbsobstbau" nämlich seit langem ein Dorn im Auge. "Alte regionale Sorten sind Teil unsereres historischen Erbes", betont Brandt. Ihr Erhalt diene auch der Sicherung der genetischen Vielfalt. Brandt: "Wer sich für das Weltkulturerbe Altes Land einsetzen will, darf seine alten Obstsorten nicht weiter stiefmütterlich behandeln zumal die zentrale Gen-Bank in Dresden-Pillnitz nur einen Bruchteil der Niederelbs-Sorten erhalten kann."

Übrigens: Der begehbare Boomgarden in Ochtmannsbruch soll nach dem ersten Leiter der Obstbauversuchsanstalt in Jork, Professor Ernst-Ludwig Loewel, benannt werden.

Wer den Verein Boomgarden unterstützen will, kann sich unter der Rufnummer 0 47 75/5 38 bei Eckart Brandt melden.

 

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Im World Wide Web: Das Boomgarten-Projekt im Internet: www.boomgarden.de

 

Erschienen:

Harburger Nachrichten, 05. Oktober 2004